Geschichte Pille danach

Die Pille danach – ihre Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte der Pille danach beginnt in den 1960er Jahren, nachdem die Antibabypille (kurz: die Pille) in den westlichen und östlichen Industrienationen als Verhütungsmittel eingeführt worden war.

Verhütungspannen gab es schon immer

Mit der Pille traten damals wie heute Anwendungsfehler und Einnahmefehler auf (Einnahme der Pille vergessen, Wirkungsverlust der Pille aufgrund von Durchfall oder Erbrechen, Wechselwirkungen der Pille mit anderen Mitteln wie Johanniskraut oder Antibiotika u.v.a), woraus schnell der Wunsch nach einer Pille danach wuchs, welche solche Fehler der Anwenderin im Nachhinein „korrigieren“ und das Eintreten einer Schwangerschaft im Rahmen einer Notfallverhütung verhindern sollte.

Experimente auf dem Weg zur Pille danach

Ende der sechziger Jahre entstand die Ahnung, dass hochdosierte Hormongaben eine Schwangerschaft auch im Nachhinein, also bei Anwendung nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Geschlechtsverkehr mit einem fehlerhaft angewendeten Verhütungsmittel, verhindern konnten.
Zu dieser Zeit gab es mehrfach entsprechende Selbstversuche und Experimente von Frauen mit hochdosierten Östrogenen. Das Wissen über die Möglichkeit der Nutzung der normalen Pille als Pille danach in der Notsituation stand allerdings nur einer kleinen Gruppe von Frauen, welche sich im medizinischen und pharmazeutischen Umfeld bewegten, zur Verfügung.
Diese vermutete Wirkung der Pille danach (internationale Bezeichnung: morning-after-pill) wurde in den 1970er Jahren wissenschaftlich belegt, aber bis Ende der 1970er Jahre nur selten zur Schwangerschaftsverhütung im Nachhinein als Notfallverhütung genutzt. Die Einnahme der Pille danach als Verhütung danach im Notfall wurde aus gesellschaftlicher Sicht häufig mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung) gleichgesetzt und war dementsprechend geächtet.

Die Yuzpe-Methode als Standard für die Verhütung danach

Die Methode der Notfallverhütung nach dem kanadischen Arzt Albert Yuzpe (Yuzpe-Methode oder Yuzpe-Regime genannt) in Form der Pille danach, wurde bereits in den 1970er-Jahren entwickelt. Das Einnahmeschema der Pille danach auf Basis der Yuzpe-Methode sieht vor, dass die Frau innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine Kombination aus 100 µg Ethinylestradiol und 500 µg Levonorgestrel einnimmt. 12 Stunden später soll die Einnahme der gleichen Dosis erneut erfolgen. Als Nebenwirkungen klagten die Anwenderinnen dieser Pille danach nach Yuzpe über Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit.

Pille danach und Schwangerschaftsabbruch - Klärungsbedarf

Erst die Reform des § 218 des Strafgesetzbuches im Jahre 1976 ebnete für Frauen in Deutschland den Weg  für eine legale Anwendung der Pille danach in Form einer Notfallverhütung. In den damals geführten Debatten erfolgte die Abgrenzung, dass es sich bei der Anwendung der Pille danach als hormonelle Nach-Verhütung nicht um einen Schwangerschaftsabbruch handelt. Als Begründung wurde definiert, dass schützenswertes menschliches Leben erst mit dem Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter beginnt.

Kupferspirale und Kupferkette als Notfallverhütung mit der höchsten Sicherheit

Zum Ende der 1970er Jahre wurde auch der Nutzen der Kupferspirale als Methode zur Schwangerschaftsverhütung im Nachhinein entdeckt. In Anlehnung an die Pille danach wurde der Begriff der Spirale danach geboren.
Mitte der 1980er Jahre folgte die Entwicklung der Kupferkette GyneFix®, welche bis heute insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen als Methode zur Notfallverhütung mit Kupfer angewendet wird. 
Die Einlage einer Kupferspirale oder einer Kupferkette als Notfallverhütung innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr bietet bis heute die höchste Sicherheit bei den Methoden zur Schwangerschaftsverhütung im Nachhinein. Kupferkette und Kupferspirale sind der Pille danach in puncto Sicherheit mit einer Schwangerschaftsrate von 0,1 % deutlich überlegen. Zugleich profitiert die Anwenderin im Gegensatz zur Pille danach mit einer Kupferkette oder Kupferspirale von einer Verhütungsmethode mit hoher Sicherheit ohne Unterbrechung direkt im Anschluss, denn beide Verhütungsmittel können als Spirale danach bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben.
1985 wurde unter dem Markennamen Tetragynon® ein Pille-danach-Präparat auf Basis des Yuzpe-Regime in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt und Frauen konnten diese in der Apotheke mit Rezept kaufen. Der Hersteller hat die Produktion der Pille danach Tetragynon® aufgrund neuerer und verträglicherer Präparate zur Verhütung im Notfall seit 2003 eingestellt.

Die Pille danach in der DDR

In der DDR gab es das Präparat Tetragynon® als Pille danach nicht. In der DDR war allerdings zum damaligen Zeitpunkt die Quote der Frauen mit etwa 50 % auffällig, die mit der Pille dauerhaft verhüteten. Im Notfall wurde nach einer Verhütungspanne Gravistat höher dosiert als Alternative zur nicht verfügbaren „Pille danach“ verabreicht.

Levornorgestrel als Wirkstoff der Pille danach

Ab den 1990er Jahren standen Gestagenpräparate (Wirkstoff Levonorgestrel) zeitgleich als Pille danach zum alten Kombinationspräparat Tetragynon® zur Verfügung. Markennamen wie duofem® (in Österreich VIKELA ®), unofem® Levogynon ® (in Großbritannien führt dieses Pille-danach-Präparat den Markennamen Levonelle ®), postinor® (Pille danach in Österreich) erreichten einen Bekanntheitsgrad. Die empfundenen Nebenwirkungen der Anwenderinnen fielen mit den Levonorgestrel-Präparaten als Pille danach deutlich geringer aus als mit dem Kombinationspräparat. Auch in puncto Sicherheit war die neuere Generation der Pille danach dem Kombinationspräparat überlegen und senkte die Schwangerschaftsrate im Vergleich zum Kombinationspräparat. Aus diesen Gründen wurden fortan die Levonorgestrel-Präparate als Notfallverhütung bevorzugt verschrieben.

Ulipristalacetat als Wirkstoff der neuen Pille danach-Generation

Im Jahr 2009 kam der Wirkstoff Ulipristalacetat in Form einer Pille danach für die Notfallverhütung auf den Markt.
Heute existieren dementsprechend  zwei Pille danach-Präparate nebeneinander: PiDaNa® (Produktname ist die Ankürzung für PilleDaNach) mit dem Wirkstoff 1,5 mg Levonorgestrel und ellaOne® mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat 30 mg.
Die Pille danach PiDaNa® mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kann bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach der Verhütungspanne als Notfallverhütung angewendet werden. ellaOne® mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kann bis zu 120 Stunden (fünf Tage) von der Frau nach ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, mit dem Ziel eine Schwangerschaft zu verhüten.
PiDaNa und ellaOne hemmen die Eireifung und verzögern den Eisprung. Vor (!) dem Eisprung angewendet, verhindern diese beiden Präparate der Pille danach mit hoher Wahrscheinlichkeit eine mögliche Schwangerschaft.

Überlegene Wirksamkeit von Ulipristalacetat

Im Gegensatz zur levonorgestrelhaltigen Pille danach wird die Pille danach mit Ulipristalacetat (ellaOne®) auch noch kurz vor dem Eisprung. Ulipristalacetat bewirkt eine stärkere Verzögerung der Eireifung auch noch während ansteigendem LH Spiegel. Da der Zeitpunkt vom Eisprung selbst bei regelmäßigen Zyklen nicht sicher prognostizierbar ist, bietet Ulipristalacetat die höhere Sicherheit, wenn es um hormonelle Notfallverhütung mit der Pille danach geht.

Für die Pille danach gilt auch heute: Je schneller, desto besser!

Die höchste Sicherheit zur Vermeidung einer Schwangerschaft im Nachhinein wird mit der Pille danach erzielt, wenn sie innerhalb von 12-24 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Danach reduziert sich die Sicherheit der Pille danach immer mehr und das Restrisiko für eine Schwangerschaft steigt, je länger mit der Einnahme gewartet wird.

Nach dem Eisprung ist es zu spät für die Pille danach!

Die Pille danach wirkt nicht mehr, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat und/oder die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter stattgefunden hat. Fallen der Zeitpunkt vom ungeschützten Geschlechtsverkehr und der Eisprung zusammen, dann kann die Pille danach als Notfallverhütung eine Schwangerschaft nicht verhindern.
Nur die Spirale danach (Kupferkette und Kupferspirale) bietet den Doppeleffekt, dass Sie als Notfallverhütung zum einen die Beweglichkeit der Spermien hemmt und die Interaktion zwischen Eizelle und Spermium stört. Sollte es trotzdem zu einer Befruchtung kommen, dann würde auch die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter verhindert werden.
In 2013 wurde die Pille danach (PiDaNa® oder ellaOne®) rund 468.000 in deutschen Apotheke ausgegeben.
Aufgrund starker Diskussionen ist die Pille danach in Deutschland seit dem 16.März 2015 ohne Rezept in der Apotheke zu kaufen (Stand Februar 2016). In vielen anderen Ländern gibt es die Pille danach ebenfalls rezeptfrei zu kaufen.